tilia

Zentrum für Osteopathie & ganzheitliche Therapie
Mutter-Kind-Behandlungen
von Edith Burjan-Lang, D.O.

Ich möchte hier gerne über die Entwicklung meiner osteopathischen Behandlung von Mutter und Kind schreiben. Das Kind wird meist zur Behandlung angemeldet. Jedoch lädt es mich oft erst auf Umwegen über die Behandlung der Mutter zu einer Begegnung mit seinem Körper-System, mit seinem Wesen ein.

In der Therapie durfte ich nun über all diese Jahre erfahren wie essenziell die transgenerationalen Aspekte in der Behandlung von Kindern sind – wie sehr die Behandlung eines kindlichen Organismus in Verbindung mit seinem Familiensystem steht. In der kindlichen Wahrnehmung des sozialen Gefüges scheint so etwas wie eine Vorstellung von einer verwobenen Interaktion zwischen den Generationen zu existieren. Nach meiner Erfahrung wünschen sich die Kinder wieder Ordnung in dieses Zusammenspiel der Generationen, in das Familiensystem, zu bringen. Sie erhoffen sich durch ihr Dasein Räume zu eröffnen, damit Ordnung in der Eltern-Großeltern-Generation und oft auch noch darüber hinaus entstehen kann.

Wir befinden uns gerade in einer Zeit, in der sich ein neues Wertesystem innerhalb von Familien entwickeln darf.

 

Das kindliche Wesen bringt vielleicht ein anderes Wertesystem, ein anderes Verständnis von Einheit von Systemen, mit. Das Alte darf überdacht werden. Überdenken bedeutet auch die eigenen Muster des Denkens, des Verhaltens, der eigenen Meinungsbildung genauer zu betrachten. Dabei kann es hilfreich sein, den Wegen der eigenen Konditionierungen zu folgen, um sie zu erkennen. Um zu erkennen, in welcher Generation dieses oder jenes Muster entstehen und genährt werden musste.

 

In ihrem Wunsch nach Ordnung gehen die Kinder sehr wertfrei an die Muster der Eltern heran, was uns als Erwachsene und Eltern erleichtern kann, uns für Veränderung und Entwicklung gemeinsam mit den Kindern zu öffnen. Dieses Öffnen soll Räume schaffen, sodass alte Muster im emotionalen und intellektuellen Bereich und im Handeln sich verändern dürfen. Durch diese Wandlung verändert sich erneut die Wahrnehmung und so auch die Betrachtung der Welt und damit die Art und Weise, wie wir ihr begegnen. Indem ich mit den Kindern den therapeutischen Raum betrete, möchte ich die Wünsche der Kinder respektieren. Gleichzeitig ist es mir ein Anliegen auch der Welt der Erwachsenen, in der es auch Erinnerungsfelder von kindlichen Verletzungen und Freuden sowie Wünschen gibt, achtsam begegnen.

Begonnen hat diese Form der Behandlung für mich vor ca. 16 Jahren. In dieser Phase widmete ich mich vermehrt der kinderosteopathischen Behandlung. Meine Betrachtung von Kindern war und ist angelehnt an eine Aussage von einem meiner Lehrer, Stuart Korth, der ausgehend von England die kinderosteopathische Behandlung in Europa verbreitet hat.

Kinder sind wie scheue Rehe, achtet darauf, wie ihr euch ihnen nähert. (Stuart Korth)

Aus der Begegnung mit Tieren in der Natur wissen wir – je achtsamer und an die gegebene Situation angepasster wir uns den Tieren nähern, desto länger verweilen wir in einem Zustand der gegenseitigen Beobachtung. In einer kinderosteopathischen Behandlungssituation sehe ich die Kinder als Regisseure, Hinweise gebend für das therapeutische Geschehen. Als Kinder-Osteopathin, agiere ich aus der Beobachtung heraus und werde dadurch zur Vermittlerin, zu einer Vermittlerin zwischen dem Kind und der Mutter.

Ich sehe mich als eine Vermittlerin zwischen dem mütterlichen Organismus und dem kindlichen Organismus in der Schwangerschaft. Hier begegnen einander zwei Wesen, die einander neu kennenlernen, zwei Körpersysteme, die beginnen sich aufeinander einzustellen. Das Körpersystem der Mutter wird in der Schwangerschaft angeregt, sich auf diese neue Lebenssituation und -phase einzustellen, sich neu auszurichten. Dies betrifft einerseits das Hormonsystem, allerdings darüber hinaus auch die Organsysteme und auch das neurovegetative System sind gefordert, sich in diesen Klang der Schwangerschaft einzufügen, sich „dirigieren" zu lassen, damit ein neues Musikstück entstehen kann. In diesem neuen Musikstück der Schwangerschaft entwickelt die Frau auch eine neue Bewusstseinslage. Diese neue Bewusstseinslage kann als ein natürliches, zusätzliches Geschenk in ihrer Schwangerschaft betrachtet werden.

Im therapeutischen Raum entsteht ein Wechselspiel zwischen Kind-Mutter- und Mutter-Kind-Behandlung. Das erwähnte Geschenk einer Schwangerschaft ist somit meiner Erfahrung nach nicht nur das wundervolle Kind, sondern die Möglichkeit, wenn nicht sogar etwas stärker ausgedrückt, die Chance, die eigene Geschichte als Frau, in der beginnenden Mutterrolle und aus dieser beginnenden Mutterrolle heraus, das eigene Leben

  • anzusehen

  • anzuerkennen

  • anzunehmen

  • neu zu ordnen

  • sich neu ordnen zu lassen

Um dann oder dadurch einen Raum anzubieten, in dem das Kind sich so frei als möglich nach seinem eigenen Bauplan, nach seinen in ihm angelegten Möglichkeiten, entwickeln kann. Dort begegne ich dann als Kinder-Osteopathin der Ursprünglichkeit des Kindes. Der kindliche Organismus wird manchmal durch Einflüsse in seiner Anlage-, Wachstums- und Entwicklungsphase beeinträchtigt. Diese Einflüsse können auf der körperlichen aber auch auf der psychisch-emotionalen Ebene entstanden sein bzw. sich ausdrücken. Der therapeutische Prozess bezieht verschiedenste Erinnerungsphasen, die im kindlichen Gewebe gespeichert sind, mitein, u.a.:

  • Körperliche Ebene

    • Anpassungsschwierigkeiten des mütterlichen Organismus an den Beginn der Schwangerschaft

    • Funktionsweise des mütterlichen Herz-Kreislaufsystems (Durchblutungsverhältnisse)

    • Hormonlage der Mutter

    • Infektionen während der Schwangerschaft

    • Medikation während der Schwangerschaft

    • Positionierung des Fetus im Bauch

    • Beginn und Verlauf der Geburt (komplizierte Geburtsverläufe)

 

  • Psychisch-emotionale Ebene

    • Gefühlslage der Mutter während der Schwangerschaft, u.a. auch neue Identitätsfindung als Mutter

    • Stabilität im Familiensystem

    • Stress und psychische Belastungen während der Schwangerschaft

    • Ortswechsel

    • Erste Begegnungen zwischen Mutter und Kind nach der Geburt bzw. Vater und Kind, dem Kind und seinen wichtigen Bezugspersonen

Durch die kinderosteopathische und biodynamische Ausbildung habe ich gelernt als Beobachterin, die Rhythmen, die dem Körper innewohnen, zu ertasten, zu erfassen, das gesamte „Puzzle-Bild“ wahrzunehmen und – soweit als möglich – verstehen zu lernen. Zusätzlich bildet das Vertrauen an die dem kindlichen Organismus innewohnenden Selbstheilungskräfte und seine Erinnerung an seinen ursprünglichen „Bauplan“ die Grundlage für meine osteopathische Behandlung von Kindern.

Auf all diesen Ebenen der Begegnung, Erfahrung, Kommunikation und tiefer Verbindung findet sich der Behandlungsprozess wieder, um

  • Ordnung in den Funktionsabläufen des kindlichen Körpers zu schaffen: Schlaf-Wachrhythmus, Verdauung, Wachstum und Entwicklung, Anpassung an neue Lebenssituationen, Sozialisation usw.

  • eine neue Verbindung bzw. ein neues Verständnis zwischen der Mutter und dem Kind, dem Vater und dem Kind, dem Kind und seinen wichtigen Bezugspersonen zu erreichen

  • eine neue Kommunikationsebene im Familiensystem zu ermöglichen

  • Ordnung in den Generationen (im generationalen Kontext) zu schaffen

Ich freue mich auf eine Begegnung mit Ihnen auf all diesen Ebenen.